in zukunft werden wir exklusiv für die bands ((grosskopf)) und nyle das booking und management übernehmen. der kontakt guerrilla@type.de
darüberhinaus werden wir zunächst an dieser stelle einen bericht der japantournee von ((grosskopf)) im frühjahr 2009 veröffentlichen:
Tourbericht: „Mellow Trip“ Japan-Tour ((grosskopf)) 27.4.09 – 15.5.09
Die Vorbereitungen:
Die meistgehörte Frage an mich, wenn jemand davon hörte, dass ich Ende April bis Mitte Mai für drei Wochen mit meinem Quartett Japan bereist habe, lautete: „Wie kam es denn dazu?“ Im Prinzip fing alles schon drei Jahre zuvor an. Ich hatte bei (type:g)records meine zweite Produktion „file under: g“ veröffentlicht und wollte nun natürlich so viele Menschen, wie möglich damit erreichen. Nachdem ich also meine bestehenden Kontakte abgegrast hatte, informierte ich mich, zumeist im Internet über neue Territorien. Ich las in einem Artikel über die Musikwirtschaft davon, dass das kleine Land Japan, der zweitgrößte Musikmarkt der Welt sei, was Absatzzahlen von Tonträgern anging. (Wenn ich von Tonträgern spreche, meine ich damit nicht nur CDs, sondern auch DVDs und Downloads, darunter mp3 und andere Formate.) Der nächste Schritt bestand darin, Kontakte in Japan herzustellen. Sehr schnell stieß ich mit diesem Vorhaben an meine Grenzen, da ich kein Wort Japanisch spreche und die Japaner so gut wie kein Englisch. In Japan lernen die Schüler zwar Englisch, jedoch fast ausschließlich in Schriftform. Deshalb scheuen sich die meisten einfach davor, die Sprache auch zu sprechen. Zudem stellte sich heraus, dass kaum ein Japaner eine Website liest, die nicht in japanischer Sprache verfasst ist. Just zu dieser Zeit, lernte ich Melaniev on „plus+konzertprojekte“ in Leipzig kennen. Sie spricht perfekt Japanisch, konnte mir also hier mehr als eine Tür öffnen. Zudem brachte sie Erfahrung im Booking- und Veranstaltungsbereich mit, kennt also das Live-Geschäft. Melanie recherchierte nun Adressen in Japan, die es einem ausländischen Musiker ermöglichen, dort live zu spielen. Schnell stieß sie dabei auf die Promotion-Agentur „Fish the music“. Die Agentur promoted meist die Musik nicht-japanischer Bands, indem sie auf ihrer Website Infos, Photos, Musik und Videos der Künstler veröffentlicht und diese Promotion-Pakete an unzählige japanische Radiosender übermittelt. Der Erfolg dieser Promotion-Aktion durch „Fish the music“ war überwältigend. Nicht nur traten diverse Radiostationen an mich, bzw. Melanie heran, mir wurde ein exklusiver Vertriebsvertrag für meine aktuelle CD in Japan angeboten! Ebenfalls durch die Promotion kontaktierte mich Duane Levi von der Booking-Agentur „Shalestone Entertainment“ in Osaka. Er bot mir an, eine Tour für mich und meine Band in Japan zu organisieren und durchzuführen. Ich war begeistert. Doch nicht für sehr lange, denn japanische Veranstalter bezahlen grundsätzlich nichts. Und wenn ich „nichts“ sage, meine ich nichts! Keine Gage, kein Hotel, keine Fahrtkosten, geschweige denn Flugtickets, selbst die Getränke und das Essen am Auftrittsort wird von den Musikern selbst bezahlt. Somit musste ich das Angebot, Japan zu bereisen, erst einmal ausschlagen. Zwei Jahre später dann erfuhr ich von der Gründung der „Initiative Musik“. Ich bewarb mich, bekam die Zusage und startete nochmals neu: Melanie recherchierte und knüpfte Kontakte, Duane Levi wurde in Kenntnis gesetzt, dass es losgehen kann, aktuelle Texte, Infos und Biographien wurden übersetzt. Da ich die Tour, mit dem Titel „Mellow Trip“, auch dokumentarisch in Bildern festhalten wollte, nahm ich neben meiner Band noch eine Photographin mit an Bord. Die Promotion über „Fish the music“ lief wieder einmal so gut, dass ich selbst am Abflugtag noch Promotion-Päckchen an japanische Radiosender zur Post zu bringen hatte. Wenn die deutschen Medien nur einen Bruchteil dieses Interesses gezeigt hätten, wären wir mehr als froh gewesen. Leider sahen sich weder Fachmagazine, Radiostationen, lokale Fernsehsender, noch die lokale Leipziger Presse nicht in der Lage, bzw. waren nicht Willens, über die Band und die Tour zu berichten. Zudem hätte uns der extrem starke Yen-Kurs fast noch, den in diesem Falle nicht sprichwörtlichen Strich durch die Rechnung gemacht. Als ich die Kalkulation für die Tour gemacht und diese an die „Initiative Musik“ übersandt hatte, habe ich eine Kursschwankung von 15% angenommen. Dass der Yen gegenüber dem Euro dann um 40% ansteigt, damit hätten wahrscheinlich nicht einmal Finanz-Experten gerechnet. Doch wir hatten Glück im Unglück und ergatterten Tickets die billiger waren, als angenommen. Dennoch stand die Finanzierung von heute auf morgen plötzlich auf extrem wackligen Füßen.
Die Tour, das Live-Musik-Geschäft in Japan
Nach den sehr aufwendigen und auch aufregenden - siehe Kursschwankungen! - Vorbereitungen, die in einem Probemarathon bis zum letzten Tag vor der Abreise endeten, starteten wir am Mittwoch, den 27.4.09 vom Leipziger Flughafen aus über Paris nach Osaka. Nach über 24-stündiger Reise landeten wir am 28.4.09 in Japans drittgrößter Stadt, wo wir von Duane Levi, dem Inhaber der Agentur „Shalestone Entertainment“ in Empfang genommen wurden. Nach einstündiger Zug-, U-Bahn und Taxi-Fahrt durch die Vororte Osakas, kamen wir schließlich nahe des Stadtzentrums in unserem Hotel an. Hier blieben wir die nächsten zehn Tage. Da das öffentliche Verkehrssystem in Japan zu den besten der Welt zählt, war es uns möglich die anderen Konzerte – außer das Tokioter Konzert – per Bahn von Osaka aus zu bestreiten und nach den Konzerten bequem wieder zurück ins Hotel zu kommen. In japanischen Clubs steht den Musikern immer eine komplette Anlage inklusive Monitoring, sowie Verstärker und ein Schlagzeugset zur Verfügung. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass wir uns in Japan ausschließlich mit Zug und U-Bahn bewegen konnten. Japanische Veranstalter sind sehr offen gegenüber der Art der Musik, die in ihrem Club gespielt wird. Unter den Veranstaltungsorten, die wir bespielten, befand sich beispielsweise kein reiner Jazzclub. In Tokio spielten wir mit zwei anderen Bands zusammen, von der eine experimentellen Trash-Metal spielte! Dieses Prinzip, Bands unterschiedlichster musikalischer Couleur an einem Abend hintereinander auftreten zu lassen, ist in Japan an der Tagesordnung. Die japanischen Musikfans sind, laut Duane Levi nicht so sehr Fan einer einzigen Stilistik, sondern lassen sich auch von völlig anderen Musiken begeistern. Ein Konzert in einem japanischen Club zu bewerben ist eine äußerst knifflige und schwierige Angelegenheit. Da es in ganz Japan untersagt ist, Plakate aufzuhängen – von bezahlten Werbeflächen abgesehen -, Veranstalter ihre einzige Verantwortung ein Konzert zu bewerben darin sehen, ein Plakat auf dem Klo aufzuhängen, die Band-Info auf der eigenen Website zu veröffentlichen und am Konzertabend Flyer auszulegen, bleibt einer Band nur noch die Mundpropaganda. In unserem Fall klemmte sich Duane Levi und die uns die ersten Tage betreuende Mitarbeiterin Mamiko Sugaya ans Telefon und riefen alle möglichen Freunde, Verwandte und Bekannte an, sich doch an diesem Abend ((grosskopf)) anzuhören. Zudem haben wir gleich beim ersten Konzert unseren treuesten Fan gewonnen: die Besitzerin des Bamboo-Club, in dem wir unser erstes Konzert gegeben haben. Sie reiste uns zu drei weiteren Konzerten nach und schickte in Tokio ihre Tochter, die in der japanischen Hauptstadt lebt, zum Konzert! Auf das Stammpublikum eines Veranstaltungsortes ist, von der einen oder anderen Ausnahme abgesehen, ebenfalls verlass. Egal welche Art von Musik gegeben wird, 80% derer, die den Club sonst besuchen, waren auch bei unseren Konzerten unter den Zuhörern. Bei der ersten Tour in Japan ein Festival spielen zu dürfen, ist ein besonderer Glücksfall. Wir hatten einen 45-minütigen Gig beim „Takatsuki Jazzfestival“, circa eine Zugstunde von Osaka entfernt. Das „JK Cafe“, in dem wir spielten, war mit rund 100 Zuhörern bis auf den letzten Platz besetzt. Vor dem Veranstaltungsort hörten sich eine Menschentraube von ca. 50 Menschen unser Konzert über die außen angebrachten Boxen an und schaute uns durch die Türen zu. Bei keinem weiteren Konzert in Japan erreichten wir in so kurzer Zeit, so viele Menschen. Insofern war das „Takatsuki Jazzfestival“ ein doppelter Gewinn für uns. Größere und namhafte Festivals in Japan spielen zu können, erreicht man größtenteils über eine Empfehlung und eine Booking-Agentur, die entsprechende Kontakte vorweisen kann. Mit unserem Konzert in Takatsuki, dürften wir den ersten Schritt getan haben. Wie bei den meisten anderen Konzerten auch, bestand unsere Gage beim Festival aus einer Art Trinkgeld. Es ist in Japan üblich, dass die Band entweder für eine Beteiligung an den Eintrittsgeldern spielt oder den Inhalt eines Topfes bekommt, der am Eingang steht. Hier wirft der Zuhörer je nach Belieben mehr oder weniger, oder auch mal gar keine Yen hinein. Somit fällt es sehr schwer eine auch nur etwaige Gewinn-Kalkulation für ein Konzert oder eine Tour zu machen. Will man sich jedoch den japanischen Musikmarkt erschließen und Fans finden, muss man dort live präsent sein. Ähnlich, wie bei uns in Deutschland, kauft kaum ein Hörer die Musik einer unbekannten Band, die er nicht vom persönlichen Konzerterlebnis her kennt. In Japan ist es als ausländische Band unerlässlich, eine gute Booking-Agentur inklusive Tourbetreuung an seiner Seite zu wissen. Zum Einen räumt ein Tourmanager die sprachlichen Barrieren beiseite. Denn nicht einmal in Tokio, mitten in der Innenstadt, sprach das Rezeptionspersonal im Hotel Englisch! Zwar sind die Japaner alle sehr freundlich und zuvorkommend, doch was nützt dies, wenn Dich keiner versteht? Doch muss man sagen, dass selbst in einem solchen Fall die Japaner, sollten einer von uns an einem spielfreien Tag alleine unterwegs gewesen sein, immer ihr Möglichstes getan haben, um uns zu helfen. Die Tatsache, dass es in Japan fast keine Kriminalität gibt, von Wirtschaftskriminalität einmal abgesehen, macht das Reisen und Touren sehr entspannt. Die Menschen in Japan sind technikbesessen. Das Handy immer in der Hand und bereit, um im Internet nach den neuesten Infos zu suchen, Nachrichten zu verschicken, Musik zu hören, Photos zu machen oder ein Spiel zu spielen. Telefoniert wird damit kaum! Dennoch kaufen die meisten Japaner Musik noch in physischer Form als CD. Aber eine Trendwende gibt es bereits und es bleibt abzuwarten, ob nun nach der Tour, besonders im Download-Bereich mehr Musik von uns in Japan gekauft wurde. An Durst leiden muss in Japan auch keiner, denn überall, selbst in ländlichen Gebieten, steht alle Meter wenigstens ein Getränkeautomat, der von Softdrinks über Bier bis hin zu kaltem Kaffee alles anbietet, was das Herz begehrt. Nun sollte man meinen, dass dann die Akzeptanz von Kreditkarten groß geschrieben wird. Mitnichten: außer in großen Kaufhäusern, Supermärkten und Fahrkartenschaltern großer Bahnhöfe, wird überall Cash bezahlt! Selbst die Hotelrechnungen bezahlte Daune Levi bar. Jedoch kann man an allen japanischen Postbankautomaten, kostenlos Geld mit der EC-Karte abheben. Ein Nachteil hat das Ganze aber doch, denn Geldautomaten stehen in Japan grundsätzlich im Bankgebäude. Wenn diese, beispielsweise sonntags geschlossen hat, kommt man auch nicht an den Automaten, sprich an Bargeld ran! Da unsere Konzertreise in der sogenannten „Golden Week“ startete, hatte wir einigermaßen Schwierigkeiten, unsere Portemonnaies wieder aufzufüllen. Die „Golden Week“ könnte man als Feiertagsmarathon beschreiben. Ende April bis Anfang Mai gibt es in Japan drei Feiertage unmittelbar hintereinander. Darunter der Kindertag und der Verfassungstag. Fällt nun einer dieser Feiertage auf einen Sonntag, wird der freie Tag an einem Wochentag nachgeholt. Für uns hieß dies inklusive Sonntag, vier Feiertage am Stück! Das einzige Versäumnis unseres Tourmanagers bestand darin, uns über diese Feiertagswoche zu informieren.
Die Nachbereitungen
Wie bereits erwähnt, sind japanische Clubs mit PA-Anlage, Verstärkern und Monitoring ausgestattet. Im „Live Bar Kids“ in Toyonaka war die genannte Technik dermaßen gut, dass wir hier unsere Live-CD „Mellow Trip“ ohne Extra-Technik aufnehmen konnten. Geplant war diese Aufnahme nicht. Eigentlich wollte ich lediglich für „bandinterne“ Zwecke einen Mitschnitt mit meinem MiniDisc-Player machen. Der Clubchef lächelte jedoch nur und gab mir zu verstehen, dass er die Musik direkt über seine Anlage auf CD aufnehmen könne. Gut, dachte ich, dann haben wir‘s gleich auf CD. Als wir nach dem Konzert in die CD reingehört haben, waren wir ziemlich überrascht, wie gut das alles klang und werden nun einige Songs Ende September veröffentlichen. Da unsere Photographin eine Unmenge brillanter Photos von uns, den Konzerten und dem Land machte, bedarf es auch keiner großen Anstrengung, ein geeignetes Cover zu finden. Um die Aufnahmen mit dem Titel „Live in Japan“ auch und vor allem in Japan zu vermarkten, werde ich mich wieder der Arbeit der Promotionagentur „Fish the music“ bedienen. Danach bleibt abzuwarten, wie das japanische Publikum auf die Aufnahmen reagieren wird und wir einer bereits ausgesprochenen erneuten Einladung von Duane Levi von „Shalestone Entertainment“, Japan zu bereisen annehmen können und werden. Bei einer weiteren Tour könnten wir nicht nur weitere Fans gewinnen, sondern vor allem auch unseren Bekanntheitsgrad in Japan steigern.